
Global Social Witnessing
Die Welt bezeugen – und uns mit ihr in Beziehung setzen
Wir leben in einer Zeit, in der wir beinahe ununterbrochen mit dem Geschehen in der Welt konfrontiert sind. Kriege, gesellschaftliche Polarisierung, Klimakrise, Flucht, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit erreichen uns täglich über Nachrichten und soziale Medien. Zugleich erleben wir politische Umbrüche, Bewegungen für Veränderung, Momente von Solidarität, Widerstand und gesellschaftlicher Transformation.
Wir können über all das sehr viel wissen – und uns dennoch weit davon entfernt fühlen.
Global Social Witnessing (GSW) lädt uns dazu ein, nicht nur Informationen über die Welt aufzunehmen, sondern mit dem, was geschieht, bewusst in Beziehung zu treten. Aus der Position des Zuschauens kann eine Position des Bezeugens entstehen.
Was geschieht in mir, wenn ich wirklich wahrnehme, was gerade geschieht?
Was berührt mich?
Wohin wende ich mich zu?
Wo werde ich still?
Wovon möchte ich mich abwenden?
Was kann oder will ich vielleicht noch gar nicht sehen und fühlen?
Vom Wissen zum Bezeugen
Es geht nicht darum die richtige Analyse zu finden oder eine Diskussion zu gewinnen.
Beim Bezeugen verschiebt sich der Schwerpunkt.
Von:
Was weiß ich darüber?
hin zu:
Wie bin ich mit dem, was geschieht, in Beziehung?
Wahrnehmen und Annehmen
Bezeugen bedeutet nicht, dass wir unbedingt etwas Bestimmtes fühlen müssen.
Vielleicht sehen wir etwas und spüren Trauer. Vielleicht Wut. Vielleicht Angst. Vielleicht fühlen wir auch nichts.
In der Annahme dessen was ist, steckt der erste Schritt zur Veränderung.
Körper, Herz und Verstand
Global Social Witnessing ist eine verkörperte Praxis.
Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist nicht nur etwas, über das wir nachdenken sollten. Wir fragen auch wie sie sich in unserem Körper und unserem Nervensystem zeigt.
Eine tieferen Verbindung mit uns selbst, miteinander und mit dem, was geschieht.
Gemeinschaft
Global Social Witnessing spricht nicht nur das Individuum an. Es schließt immer das Kollektiv mit ein.
Was sehe ich, was sehen andere. Wo finden wir uns wieder. Jede Erfahrung ist echt und wahr. Hier können wir uns begegnen.
Das Miteinander und die Verschiedenheit als Ressource erkennen.
Von Distanz zu Mitgefühl
Das Bewusstsein über Trauma ermöglicht einen tieferen Zugang zu uns selbst und unserem Erleben.
Global Social Witnessing sucht einen Weg zwischen den Polen.
Es geht darum, uns berühren zu lassen, ohne uns vollständig im Geschehen zu verlieren.
Ein tieferes Wahrnehmen stärkt unsere Fähigkeit zu Lieben
Vom Bezeugen zum Handeln
Global Social Witnessing ist nicht nur eine spirituelle Praxis. Sie ist eine zutiefst politische Haltung und Arbeit. Es lässt erkennen was gebraucht wird und was wir beitragen können. Wir sehen Sichtweisen, Standpunkte und unsere Verantwortung hinzu einer friedvollen Transformation.
Beziehung als politisches Handeln

Was geschieht bei einem Global-Social-Witnessing-Event?
Ein Global-Social-Witnessing-Prozess kann sich einem konkreten Ereignis, einem gesellschaftlichen Thema oder einer Entwicklung unserer Zeit widmen. Das kann ein Krieg oder Konflikt sein, die Klimakrise, Migration, Rassismus, Geschlechterverhältnisse, gesellschaftliche Polarisierung, ein konkretes Ereignis in einer Region – oder auch eine Frage, die innerhalb einer Gemeinschaft gerade besonders präsent ist.
Wir nähern uns diesem Thema zunächst bewusst und entschleunigt. Dabei können Informationen, Bilder, Stimmen oder Erfahrungen den Zugang dazu ermöglichen. Als Teilnehmende richten wir unsere Aufmerksamkeit nach innen und zur Gruppe.
Was nehme ich wahr?
Was geschieht in meinem Körper?
Welche Gefühle tauchen auf?
Welche Gedanken oder Bilder entstehen?
Wo fängt meine Beziehung zu mir, zu anderen und dem Thema an und wo hört sie auf?
Was verändert sich, wenn wir einander wirklich zuhören?
Phasen von Stille, Körperwahrnehmung, persönlicher Reflexion, Austausch und Dialog können sich miteinander verbinden.
Daraus kann auch die Frage entstehen, was wir aus diesem gemeinsamen Bezeugen mitnehmen und was daraus möglicherweise in unserem Leben oder Handeln entstehen möchte.
Es geht dabei nicht darum einer Meinung zu sein.
Es geht darum, bewusster in Beziehung mit dem Geschehen und uns zu treten.
Über Global Social Witnessing, das Pocket Project und mich
Global Social Witnessing wird im Rahmen des Pocket Project gelehrt und weiterentwickelt. Das Organisation arbeitet international mit Ansätzen zur Integration von individuellem, kollektivem und transgenerationalem Trauma und beschäftigt sich mit der Frage, wie Gesellschaften größere Kapazitäten für Präsenz, Beziehung, Resilienz und kollektive Heilungsprozesse entwickeln können.
Meine Darstellung von Global Social Witnessing auf dieser Seite basiert auf meiner Ausbildung beim Pocket Project und zugleich auf meinem eigenen Verständnis und meiner Erfahrung mit dieser Arbeit. Denn letztlich ist Global Social Witnessing für mich keine Theorie. Es ist eine Haltung und eine Praxis. Eine Methode, mit der Welt in Beziehung zu bleiben, auch dort, wo es schwierig wird. Durch das Global Social Witnessing können wir lernen unsere Kapazität zu erweitern um näher in Beziehung zu treten, zu bezeugen und das anzunehmen, was gerade ist.


